Krebsvorsorgeuntersuchung

Krebserkrankungen am Gebärmutterhals (Muttermund), an der Scheidenschleimhaut und an der Haut der äußeren Scheiden-Dammregion entwickeln sich über Vorstufen in einem Zeitraum von bis zu 10 Jahren. Eine wesentliche Ursache der Krebserkrankung ist die Infektion mit Papillomviren (HPV). Die Vorstufen der Krebserkrankung sind mit geeigneten Methoden durch den Arzt zu erkennen und zu 100% heilbar. Der überwiegend mehrjährige Entwicklungsprozess des Karzinoms bietet durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Abstand von einem Jahr (bis drei Jahre – Vorgabe der Europäischen Förderation) beste Voraussetzungen, das Vorstadium einer Krebserkrankung zu erkennen und vollständig zu heilen. Krebserkrankungen an den unteren Genitalorganen der Frau mit Todesfolge sind damit weitestgehend vermeidbar. Dennoch versterben auch gegenwärtig noch in Deutschland mehr als 2000 zum Teil sehr junge Frauen jährlich an dieser Erkrankung.

Dem Arzt stehen grundsätzlich 4 Möglichkeiten einer Diagnosesicherung zur Verfügung:

  1. Die Untersuchung sollte mit einer Kolposkopie beginnen. Kolposkopie ist die Betrachtung der Haut und der Schleimhäute im einsehbaren Bereich der Genitalorgane mit bis zu 30 facher optischer Vergrößerung. Bereits durch diese lupenoptische Betrachtung werden Veränderungen sichtbar, die von der Norm abweichen.
  2. Von dieser Region und aus dem Gebärmutterhals werden getrennt mit einem Wattetupfer oder besonderen Abnahmeinstrumenten (Spatel, Zellbürste) Zellabstriche entnommen (Zytologie). Kolposkopie und Zytologie ermöglichen dem speziell ausgebildeten Arzt in mehr als 95% eine richtige Diagnosestellung.
    In gleicher Weise entnommene Proben dienen dem Nachweis von humanen Papillomviren (HPV). Diese Untersuchung ist nur in ausgewählten Fällen notwendig. Oft werden krankhafte Veränderungen erst nach Betupfen der Schleimhaut mit Essigsäure oder Jod sichtbar.
  3. Bei verdächtigen Befunden der Zytologie und/oder der Kolposkopie ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem auffälligsten Areal der Haut- bzw. Schleimhautveränderung notwendig. Die daraus vorgenommene mikroskopische Untersuchung (Histologie) ergibt eine sichere Diagnose über den Schweregrad der Veränderung und ist die Voraussetzung für die Festlegung der endgültigen Therapie.

Für eine fachgerechte Behandlung von Vor- und Frühstadien einer Krebserkrankung an den unteren Genitalorganen der Frau stehen spezielle Behandlungszentren zur Verfügung, die insbesondere bei einem weiterhin bestehenden Kinderwunsch die notwendige Behandlung schonend und dennoch für eine vollständige Heilung ausreichend garantieren (Dysplasiezentren).

Die Krebsvorsorgeuntersuchung ist einschließlich einer notwendigen Gewebeprobenentnahme schmerzfrei und dauert für die Patientin nur wenige Minuten. Eine jährliche Krebsvorsorgeuntersuchung auf der Grundlage eines Zelltestes ist Bestandteil der Leistung aller Krankenkassen.

(Prof. Dr. J. Heinrich)